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Das Buch
Sicher habt Ihr mittlerweile alle schon mal von Sven Regeners “Herr Lehmann” gehört, nicht zuletzt weil der 2001 erschienene Roman auch 2003 von
Leander Haußmann verfilmt wurde.
Dennoch möchte ich es Euch aus verschiedenen Gründen vorstellen.
Zum einen ist es mein absolutes Lieblingsbuch. Ich lese gerade den Nachfolger “Neue Vahr Süd”, der die frühen Jahre von Herrn Lehmann beim Bund
erzählt; ich finde es aber nicht so großartig wie “Herr Lehmann”.
Zum anderen habe ich meine Magisterarbeit in Germanistik über das Buch und den Film geschrieben. Und entgegen meinen Erwartungen bin ich durch die
intensive Beschäftigung damit weder das Buch noch den Film satt...und das spricht eindeutig für seine Qualität!
Die Story
Die Geschichte von „Herr Lehmann“ spielt in Berlin im Spätsommer und Herbst des Jahres 1989.
Frank Lehmann ist neunundzwanzig Jahre alt, lebt seit neun Jahren in Westberlin und arbeitet in einer Bar namens „Einfall“ hinter dem
Tresen. Er ist zufrieden mit seinem Lebensstil und lebt in eingefahrenen Strukturen, mit geregeltem Job und festem Freundeskreis. Lehmanns bester Freund Karl arbeitet unter dessen Chef Erwin Kächele in einem
Markthallenrestaurant, ist aber eigentlich Skulpturenkünstler.
„Herr Lehmann“, wie ihn alle scherzhaft nennen, lebt eine Art „bohemehaftes Leben“, diskutiert gerne über die Details des Lebens und strebt
nach keinerlei Veränderung. Die Koordinaten seines Lebens beginnen sich zu verschieben, als er sich in die Köchin Katrin Warmers verliebt, die ihm ebenbürtig scheint in der Art, über das Leben zu philosophieren. Sie
geht eine Beziehung mit Lehmann ein, obwohl sie bekennt, nicht in ihn verliebt zu sein. Lehmann stellt sie sogar seinen Eltern vor, die von Bremen nach Berlin reisen, um zu sehen, wie ihr Sohn lebt. Weil er
befürchtet, als Thekenkraft den Erwartungen seiner Eltern nicht gerecht zu werden, inszeniert er sich mit Hilfe seiner Freunde als Geschftsführer eines Restaurants. Seine Eltern lassen sich davon beeindrucken und
äußern die Bitte, Lehmann möge eine Verwandte der Mutter im Osten Berlins besuchen, um dieser 500 DM Westgeld zu überbringen. An der Grenze wird er allerdings kontrolliert, festgehalten und verhört. Während dieser
Zeit wird ihm seine Freundin mit einem Stammgast des „Einfall“ untreu. Die Beziehung zerbricht.
Lehmanns Freund Karl steht unter dem Druck, seine Kunstwerke für eine Ausstellung in Charlottenburg zu vollenden. Dieser Druck lässt ihn
Nächte durchmachen, Drogen konsumieren und schließlich zusammenbrechen. Dies geschieht an Lehmanns dreißigstem Geburtstag, dem Tag, an dem auch die Berliner Mauer fällt.
Mit dem Mauerfall beginnt Lehmann endlich, die Veränderungen zu akzeptieren und aus seinen festgefahrenen Strukturen auszubrechen. Er macht
sich auf, nach neuen Herausforderungen des Lebens zu suchen.
Der Autor
Sven Regener wurde am 1.1.1961 in Bremen geboren. Nach der Bundeswehr und dem Zivildienst studierte er Musikwissenschaften in Hamburg,
bevor er 1982 nach Berlin zog.
Er spielt Trompete und singt. Zunächst in dern Bands “Zapotek” und “Neue Liebe”. 1985 gründet er die erfolgreiche Gruppe “Element of Crime”.
“Herr Lehmann” (2001) ist sein erster Roman. 2004 erschien mit “Neue Vahr Süd” die Vorgeschichte zu “Herr Lehmann”.
Warum das Buch lesenswert ist
Sven Regener hat einen großartigen Erzählstil. Er kann gekonnt mit Worten umgehen und schafft durch dieses Können eine sprachliche Komik,
wie ich sie seit Jahren nicht mehr gelesen habe!
Der Erzählstil ist deswegen so besonders, da der Erzähler immer bei den Gedanken Lehmanns bleibt; man erfährt nicht die Gedanken der
anderen Figuren...wofür auch gar keine Zeit bliebe. Denn Lehmanns Gedanken sind derart komplex und verschachtelt, dass ihnen die ganze Aufmerksamkeit gebührt.
Mit viel Liebe zum Detail kreierte Regener Kunstfiguren in einer Kunstwelt, die aber einen realistischen Anspruch haben. Das soll bedeuten,
dass sowohl Story wie Figuren oder Hintergrund sehr wirklichkeitsgetreu und exemplarisch sind. Jedem könnte passieren, was Lehmann durchmacht. Jeder findet sich irgendwie und irgendwo in den Figuren wieder. Und die
Sprache ist eine gesprochene Sprache, charakterisiert durch sehr viel Authentizität.
Die Hauptfigur bietet wegen ihrer detaillierten charakterlichen Ausformung besonders viel Raum für Identifikation. Ich selber habe mich
schon oft in Herrn Lehmann wiedererkannt.
Der ganze Roman hat einen Charme, der die Atmosphäre der 80er in Berlin treffend widerspiegelt. Und gleichzeitig ist die Story unabhängig
vom zeitlichen und geschichtlichen Hintergrund. Sie könnte auch heutzutage spielen.
Alles in Allem ist “Herr Lehmann” ein gut geschriebener und kurzweiliger Roman über die Liebe und das Leben. Jeder, der das Buch nicht
gelesen hat, ist um ein Meisterwerk in seinem Leben ärmer!
Ergänzend zum Buch sollte man auch den sehr gelungenen Film sehen, am besten allein, am Sonntagabend in Programmkinos und ein paar Flaschen
Becks dabei.
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